Tierisch stark: Wie tiergestützte Erlebnispädagogik Kinder wachsen lässt
„Tiere sind für Kinder ein wunderbares Medium, um aus sich herauszukommen – eben Grenzen zu überwinden.“ (Arnim Pietralla, Geschäftsführer „Eifelzeit“)
Ob schüchtern, überdreht oder unsicher – Tiere erreichen Kinder oft dort, wo Worte allein nicht ausreichen. Deshalb sind sie ein zentraler Bestandteil der erlebnispädagogischen Programme von „Eifelzeit„, einem langjährigen Programmpartner der Jugendherbergen im Rheinland. Beim 3- oder 5-tägigen Klassenfahrtprogramm „Mit Hand und Huf“ stehen die Begegnungen zwischen Tieren und Kindern sogar im Mittelpunkt.
Meerschweinchen als sanfter Einstieg
Die ersten Begegnungen sind bewusst ruhig gestaltet. „Die Schülerinnen und Schüler bekommen Meerschweinchen auf den Schoß, aber nicht einfach auf einem Handtuch, wo sie weglaufen könnten. Die Tiere sind speziell trainiert und sitzen in Tritthockern – so, dass sie sich wohlfühlen. Die Meerschweinchen werden verwöhnt, etwa durch Musik im Hintergrund, Futter und Streicheleinheiten an den Stellen, an denen sie sich auch gegenseitig pflegen. So entwickeln die Tiere Vertrauen – und das spüren die Kinder“, erklärt Arnim Pietralla, Sonderpädagoge und Geschäftsführer bei „Eifelzeit“.
Gerade für zurückhaltende Kinder ist das ein sanfter Zugang. Sie erleben Nähe, Achtsamkeit – und lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Bartkaninchen – Nähe auf Augenhöhe
Ein besonderes Highlight sind die belgischen Bartkaninchen, sagt Arnim Pietralla. „Sie wiegen rund sechs Kilo und sehen mit ihrem zotteligen Bart aus wie eine Mischung aus Kaninchen und Löwe. Diese Tiere hoppeln frei zwischen den Kindern herum. […] Sie lassen sich nicht so einfach hochheben. Das ist gut, weil das auch ein respektvolleres Verhalten durch die Kinder gegenüber den Tieren fördert.“
Wenn die Kaninchen Löwenzahn direkt aus der Hand fressen, ist das für viele ein eindrucksvolles Erlebnis – Nähe ohne Zwang.
Ein Tag auf dem Bauernhof
Auch praktische Aufgaben gehören dazu. „Am zweiten Tag fahren wir mit dem Shuttlebus von der Burg Blankenheim aus auf unseren Bauernhof. Dort verbringen die Kinder den ganzen Tag mit Hühnern, Enten und anderen Tieren. Sie lernen, wie man Tiere füttert, versorgt und die Ställe ausmistet. Das gehört dazu, um eine schöne Zeit mit den Tieren zu haben“, so Pietralla.
So erfahren die Kinder, dass Verantwortung und Freude untrennbar zusammengehören.
Die „Schafari“ mit Schafen
Bei der „Schafari“ macht die Klasse eine Safari zu den Schafen. Bei der Begegnung mit Schafen ist oft Mut gefragt. Arnim Pietralla berichtet von einem Programm mit Kindern aus einem sozial benachteiligten Viertel. Die Kinder lebten in Hochhaussiedlungen und waren noch nie richtig in der Natur und mit Nutztieren zusammen gewesen: „Bevor sie zu den Tieren konnten, musste ich die Kinder erst einmal beruhigen, obwohl es sich nur um kleine bretonische Zwergschafe handelte. Die wiegen vielleicht zwölf Kilo und trotzdem hatten die Kinder zunächst große Angst. Da muss man langsam und Schritt für Schritt herangehen […]. Wenn sich dann aber Kontakte zwischen den Kindern und den Tieren aufbauen, dann geht das echt zu Herzen.“
Vertrauen wächst Schritt für Schritt – und damit auch das Selbstbewusstsein der Kinder.
Kreativität mit Naturmaterialien
Im Anschluss geht es ans Gestalten: „Am dritten Tag arbeiten wir mit Wolle in der Wollwerkstatt und bauen gemeinsam mit den Kindern Insektenhotels“, erklärt der Sonderpädagoge. Dabei verbinden sich Handwerk, Naturwissen und Kreativität – eine wertvolle Ergänzung zu den Tierbegegnungen.
Wanderung mit Ziegen – eine Geduldsprobe
Zum Abschluss wartet eine besondere Erfahrung, verrät Arnim Pietralla. „In den Pausen machen wir eine Wanderung mit unseren Ziegen. Dort lernen die Kinder, sich in Geduld zu üben, weil Ziegen sich gern umschauen und schnuppern. Da dauert die für 20 Minuten angesetzte Wanderung in der Regel etwas länger als gewöhnlich.“
Die Kinder lernen: Nicht alles läuft nach Plan – und Gelassenheit ist oft der beste Weg ans Ziel.
Fazit
Tiergestützte Erlebnispädagogik vermittelt Kindern Respekt, Verantwortungsbewusstsein und Selbstvertrauen. Vom vorsichtigen Kontakt mit Meerschweinchen bis hin zur Ziegenwanderung – die Begegnungen helfen Ängste abzubauen, Achtsamkeit zu entwickeln und soziale Kompetenzen zu stärken.
- Alle Infos zum Programm „Mit Hand und Huf“ der Jugendherberge Burg Blankenheim findest du hier: Klassenfahrt nach Blankenheim: Mit Hand und Huf (3 Tage)
- Das vollständige Interview mit Arnim Pietralla ist außerdem im Bildungsmagazin NEWS4TEACHERS nachzulesen