Wo Politik auf Gemeinschaft trifft: Jugendlandtag in Düsseldorf

Wenn knapp 200 junge Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammenkommen, um Politik nicht nur zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten, entsteht eine besondere Atmosphäre – konzentriert, offen und voller Neugier. Vom 13. bis zum 15. November fand in Düsseldorf zum 15. Mal der Jugendlandtag statt. Als Unterkunft für die Teilnehmenden sowie die Betreuer*innen diente dabei zum wiederholten Mal die Jugendherberge Düsseldorf – ein Haus, das sich nicht nur wegen der Nähe zum NRW-Landtag ideal für Veranstaltungen dieser Art eignet.

Ankommen, orientieren, loslegen

Am ersten Tag der Veranstaltung, einem warmen Novembertag, trudelten gegen Mittag die ersten Teilnehmenden in der Jugendherberge Düsseldorf ein. Ein Team aus Ehemaligen empfing die diesjährigen jungen Abgeordneten und es lag eine gespannte Energie in der Luft.


Für die Veranstaltung hatte der Landtag die Jugendherberge exklusiv zur alleinigen Nutzung gebucht. Insgesamt 348 Betten in 96 Zimmern standen damit zur Verfügung.


Eine Helferin, die im vergangenen Jahr am Jugendlandtag teilgenommen hatte, erinnert sich rückblickend: „Ich fand es gut, dass wir uns nicht im Voraus aussuchen durften, mit wem wir auf ein Zimmer kommen. Ich kannte auch niemanden und habe so schnell neue Leute kennengelernt.“ Für kurze Zeit mit fremden Menschen zusammenzuleben, sich zu arrangieren und miteinander klarzukommen – das gehört hier selbstverständlich dazu und spiegelt im Kleinen auch den Geist politischer Zusammenarbeit wider.

Frühstück, Fraktionen, Fokus

Der Tagesablauf war über das gesamte Wochenende eng getaktet. Nach dem Demokratietraining und der Begrüßung durch den Landtagspräsidenten in der Jugendherberge standen Fraktionssitzungen, Anhörungen, Ausschusssitzungen und schließlich das große Plenum auf dem Programm. Dass dabei nicht immer alle einer Meinung sind, gehört selbstverständlich dazu und macht das Format lebendig.


Ein ehemaliger Teilnehmer fasst es treffend zusammen, wenn er sagt, das Besondere am Jugendlandtag sei,
 „dass es sehr nah an der Realität ist – inklusive der Momente, in denen Meinungsverschiedenheiten auch mal zu einer schwierigeren Atmosphäre führen.“


Während einige Teilnehmende bereits politische Erfahrungen mitbringen, nutzen andere den Jugendlandtag, um sich erstmals intensiver mit landespolitischen Prozessen auseinanderzusetzen. Bewerben können sich Jugendliche über die Abgeordneten ihres jeweiligen Wahlkreises. Zwei Teilnehmende, die im letzten Jahr beim Jugendlandtag teilgenommen haben, berichten, dass ihre Praktika im Landtag den Impuls gaben, sich anschließend als Teilnehmende und später sogar als Helferinnen beim Jugendlandtag zu engagieren.

Zwischen Debatten und „Klassenfahrt-Vibes“

Eine weitere Teilnehmerin aus dem letzten Jahr erinnert sich besonders an die Atmosphäre: „Die Stimmung war total schön – das hatte sofort etwas von Klassenfahrt.“
 Diese „Klassenfahrt-Vibes“ spürten viele vor allem an den Abenden in der Jugendherberge. Trotz intensiver Debatten am Tag sei die Stimmung abends gelöst und offen gewesen. „Es war richtig cool, dass man sich abends nochmal mit allen austauschen konnte – ganz ohne Druck.“


Zwischen Flurgesprächen, letzten Gedankennotizen für die nächste Sitzung und dem zufälligen Wiedersehen an der Zimmertür zeigte sich die Wirkung des Tages: Die Jugendlichen sprachen weiter – über Argumente, Unsicherheiten, Erfolge und über den Mut, zum ersten Mal eine eigene Rede zu halten. Gerade diese Mischung aus politischer Ernsthaftigkeit und persönlichem Austausch macht den Jugendlandtag für viele so prägend.

Engagement, das bleibt – und das gebraucht wird

Dass sich so viele Ehemalige im Folgejahr als freiwillige Helfer*innen gemeldet haben, zeigt, wie nachhaltig ihnen der Jugendlandtag in Erinnerung geblieben ist. Viele wollen etwas zurückgeben – und gleichzeitig weiter Teil dieses besonderen Formats bleiben.


Ihr Einsatz verdeutlicht, wie groß das Bedürfnis junger Menschen ist, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und demokratische Prozesse besser zu verstehen. Dafür ist der Jugendlandtag wie geschaffen: Er zeigt, dass politisches Engagement nicht abstrakt ist, sondern erfahrbar. Dass Demokratie nicht nur im Plenarsaal stattfindet, sondern auch beim gemeinsamen Frühstück, beim Austausch auf dem Zimmerflur und in Gesprächen, die bis spät in die Nacht reichen. Und er macht deutlich, wie viel Potenzial in einer Generation steckt, die neugierig, engagiert und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.


Diese drei Tage in Düsseldorf sind damit weit mehr als eine Simulation von Politik. Sie sind ein starkes Signal dafür, wie wichtig es ist, junge Menschen früh und ernsthaft in demokratische Prozesse einzubinden – und ihnen Orte zu geben, an denen sie wachsen können.

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