Behind the Scenes: Ein Rennwochenende mit dem Vermarc Cycling Team

Wie läuft eigentlich ein Rennwochenende bei einem internationalen Nachwuchs-Radsportteam ab? Was passiert, bevor die Fahrerinnen an der Startlinie stehen? Und wie viel Organisation steckt hinter zwei Tagen, an deren Ende ein Platz ganz oben auf dem Podium steht? Jens Haas vom DJH-Landesverband Rheinland hatte die Gelegenheit, das Vermarc Cycling Team bei zwei Rennen in Belgien aus nächster Nähe zu begleiten. Ausgangspunkt für das Rennwochenende: die Jugendherberge Bonn.

Die Jugendherberge als Basis fürs Rennwochenende

Für das Vermarc Cycling Team sind die Jugendherbergen im Rheinland regelmäßig Ausgangspunkt für Rennen und Trainings. Das internationale U19-Mädchenteam ist viel unterwegs, mehr als 40 Rennen stehen im Laufe einer Saison auf dem Programm. Viele davon finden in Belgien statt.

 

Auch am 22. und 23. August ging es von der Jugendherberge Bonn aus zu zwei Tagesrennen des Vermarc Cycling Project nach Belgien. Mit dabei war diesmal Jens Haas vom DJH-Landesverband Rheinland. Für das Team wurde noch ein Fahrer benötigt – für ihn die Gelegenheit, nicht nur den Weg zum Rennen mitzuerleben, sondern einen Blick hinter die Kulissen des Radsports zu werfen.

 

Schon am Freitag stand eine kleine Trainingseinheit auf dem Fahrrad auf dem Programm. Am Samstagmorgen wurde es dann ernst: Räder, Fahrerinnen und Ausrüstung mussten startklar gemacht werden, bevor es gemeinsam Richtung Belgien ging.

Bevor das Rennen beginnt

Wer ein Radrennen als Zuschauer erlebt, sieht vor allem den sportlichen Teil. Für ein Team beginnt der Renntag jedoch lange vor dem Startschuss. Nach der Ankunft müssen die Fahrräder aus den Fahrzeugen geholt und wieder fahrbereit gemacht werden. Die für den Transport ausgebauten Vorderräder kommen zurück an ihren Platz, Startnummern werden angebracht, Material und Räder noch einmal kontrolliert.

 

Dann folgt die Teambesprechung. Wie soll das Rennen angegangen werden? Welche Fahrerin übernimmt welche Aufgabe? Worauf muss sich das Team einstellen? Erst wenn all das geklärt ist, geht es Richtung Start.

 

Für Jens Haas bot das Wochenende damit einen ganz anderen Blick auf den Radsport: Nicht nur das eigentliche Rennen zählt. Dahinter stehen Vorbereitung, Logistik und viele Handgriffe, die ineinandergreifen müssen.

Einzelsport? Von wegen!

Wie wichtig die Mannschaft im Radsport ist, zeigte sich an beiden Renntagen. Denn auch wenn am Ende nur eine Fahrerin ganz oben auf dem Podium steht, ist der Erfolg oft das Ergebnis gemeinsamer Teamarbeit. Beim ersten Rennen unterstützten die Fahrerinnen Sofia Tripcevich – mit Erfolg: Sofia überquerte als Erste die Ziellinie.

 

Am zweiten Tag galt es, ihre Führung in der Gesamtwertung zu verteidigen. Erneut setzte das Team alles daran, Sofia bestmöglich zu unterstützen. Die Strategie ging auf: Mit Platz zwei im zweiten Rennen sicherte sie sich den Gesamtsieg beim Vermarc Cycling Project.

 

Damit wurde an diesem Wochenende sehr konkret sichtbar, was die Fahrerinnen schon bei unserem ersten Treffen erzählt hatten: „Wenn eine von uns gewinnt, ist es ein gewinn für das ganze Team, den wir dann auch gemeinsam feiern.“

Vom Hörsaal direkt aufs Rennrad

Wie viel Einsatz hinter solchen Erfolgen steckt, zeigt auch Sofias ganz persönliches Rennwochenende. Sie war erst am Donnerstag aus den USA angereist, wo sie an der UCLA studiert. Doch während Sofia in Europa landete, tat ihr Fahrrad das zunächst nicht. Das musste sie am folgenden Tag noch am Flughafen abholen.

 

Und damit nicht genug: Auf den Autofahrten rund um das Rennwochenende saß sie nicht einfach nur auf dem Rücksitz und erholte sich, sondern arbeitete parallel an Aufgaben für ihr Studium.

 

Am Samstag stand sie schließlich am Start – und gewann. Am Sonntag folgten Platz zwei und der Gesamtsieg.

 

Schule oder Studium, Training, internationale Reisen und Wettkämpfe unter einen Hut zu bekommen, gehört für viele Fahrerinnen des Vermarc Cycling Teams ganz selbstverständlich zum Alltag. Das Wochenende in Belgien zeigte eindrucksvoll, wie viel Disziplin und Eigenorganisation dafür notwendig sind.

Viel mehr als 100 Kilometer auf dem Rad

Wenn die Fahrerinnen nach einem Rennwochenende wieder in der Jugendherberge ankommen, liegen hinter ihnen deshalb nicht einfach nur zwei Radrennen. Es sind Tage voller Organisation, Anspannung, Teamarbeit und körperlicher Höchstleistung.

 

Für Jens Haas endete damit ein Wochenende, das einen seltenen Blick hinter die Kulissen bot – vom Zusammenbauen der Räder über die Teambesprechung bis zum Jubel über den Gesamtsieg.

 

Und vielleicht lässt sich danach auch ein Satz aus unserem ersten Gespräch mit den Fahrerinnen noch ein bisschen besser verstehen: „Eine Woche ohne Radfahren ist für mich nicht vorstellbar.“

 

Beim Vermarc Cycling Team ist Radfahren eben nicht nur ein Sport. Es bestimmt den Alltag, verbindet junge Fahrerinnen aus unterschiedlichen Ländern – und lässt sie gemeinsam für ein Ziel arbeiten.

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