Gemeinsam Ziele erreichen: Wie das Vermarc Cycling Team Grenzen überwindet
Wenn sich junge Radsportlerinnen aus sieben Nationen treffen, ihre Fahrräder abstellen und in mehreren Sprachen durcheinander reden, entsteht etwas, das im Nachwuchsbereich des Frauenradsports lange gefehlt hat: ein echtes internationales Teamgefühl. Das Vermarc Cycling Team ist genau das – und vielleicht sogar noch mehr. „Das Vermarc Cycling Team kann man sich vorstellen wie eine Nationalmannschaft ohne Nationen“, sagt Teammanager Patrik Kobiolka. Fahrerinnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Dänemark, Lettland und Estland fahren hier gemeinsam Rennen, lernen voneinander und wachsen als Team zusammen. Perspektivisch könnte sogar noch eine Athletin aus Australien dazustoßen – die Idee der Mädchenmannschaft kennt also tatsächlich keine Grenzen.
Der Weg in den internationalen Radsport
Was auf den ersten Blick selbstverständlich wirkt, ist im deutschen Mädchenradsport alles andere als üblich. Während es für Jungen schon lange klare Strukturen gibt, mussten sich die Mädchen ihren Weg deutlich mühsamer erkämpfen. Die Idee hinter dem Team war deshalb von Anfang an, jungen Fahrerinnen eine Plattform zu bieten, die sie auf internationale Wettbewerbe vorbereitet. Mehr als 40 Rennen pro Jahr stehen auf dem Programm, viele davon in klassischen Radsportländern wie Belgien, Frankreich, Spanien oder Italien. Dort treffen sie auf große Starterfelder und starke Konkurrenz – genau die Erfahrungen, die sie brauchen, um sich weiterzuentwickeln.
Alltag zwischen Schule, Training und Reisen
Für die Mädchen bedeutet das allerdings auch einen Alltag, der viel Organisation und Disziplin verlangt. Schule, Training und Reisen müssen ständig neu austariert werden. „Ich gehe von Montag bis Freitag in die Schule, bin dann immer gegen 15:00 Uhr zu Hause, esse etwas und beginne dann mit dem Training“, erzählt eine der Fahrerinnen. Hinter dieser Beschreibung steckt ein Alltag, der klar strukturiert ist und nur wenig Spielraum für spontane Pausen lässt. Rennen finden oft am Wochenende statt, An- und Abreisen organisieren die Fahrerinnen teilweise selbst – inklusive Fahrrädern, Gepäck und manchmal auch unerwarteter Herausforderungen, etwa bei einer Zollkontrolle am Flughafen.
Leidenschaft, die alles trägt
Und trotzdem ist da diese große Begeisterung, die alles trägt. Für viele ist Radfahren weit mehr als nur Sport. „Radfahren bedeutet für mich Freiheit“, sagt eine Fahrerin. Eine andere ergänzt: „Es ist diese eine Sache, die ich unbedingt machen will. Es macht mich einfach glücklich.“ Und wieder eine dritte bringt es auf den Punkt: „Radfahren ist ein Teil von mir. Ich kann die Welt ausschalten und mich nur auf mich und die Strecke konzentrieren.“ Diese Leidenschaft verbindet die Mädchen – unabhängig davon, woher sie kommen oder welche Sprache sie sprechen.
Zusammenhalt über Grenzen hinweg
Dass daraus tatsächlich ein funktionierendes Team wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Die meisten kannten sich vorher nicht. Doch die gemeinsame Erfahrung auf der Strecke und abseits davon schafft schnell Nähe. „Ja es stimmt, wir kannten uns vorher nicht. Aber da wir alle in einem ähnlichen Alter sind und die Leidenschaft fürs Radfahren teilen, verstehen wir uns alle sehr gut.“ Siege werden gemeinsam gefeiert, Niederlagen gemeinsam analysiert. „Wenn eine von uns gewinnt, ist es ein Gewinn für das ganze Team, den wir dann auch gemeinsam feiern.“ Dieser Zusammenhalt ist es, der das Team trägt – besonders in einem Sport, der oft auch Einzelkämpferqualitäten verlangt.
Herausforderungen eines Mädchenteams
Die Rahmenbedingungen für ein solches Projekt sind allerdings nicht immer einfach. Gerade im Frauenradsport fehlt es noch häufig an Unterstützung. „Sobald Sponsoren hörten, dass es um ein Mädchenteam geht, standen die finanziellen Mittel plötzlich nicht mehr zur Verfügung“, berichtet Patrik Kobiolka. Umso erfreulicher sei es, dass das Team schlussendlich tolle Firmen gefunden habe, die komplett hinter dem Team stehen. Diese Tatsache sowie verlässliche Strukturen im Hintergrund erleichtern den sportlichen Alltag des Teams ungemein.
Jugendherbergen als verlässliche Team-Basis
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Aufenthalte in den Jugendherbergen im Rheinland, die für das Team zu festen Anlaufpunkten geworden sind – sei es zur Saisonvorbereitung oder rund um Wettkämpfe. Gerade für ein junges, internationales Team bieten sie genau die Bedingungen, die es braucht: unkomplizierte Abläufe, flexible Organisation und eine Infrastruktur, die auf Gruppen eingestellt ist. Besonders wichtig ist dabei auch, dass die Fahrräder sicher untergebracht werden können – etwas, das in klassischen Hotels oft schwierig ist. Hinzu kommt, dass minderjährige Fahrerinnen mit entsprechender Einverständniserklärung eigenständig anreisen und einchecken können, was den organisatorischen Aufwand deutlich reduziert.
Auch aus Sicht der Fahrerinnen selbst sind die Aufenthalte ein wichtiger Bestandteil des Teamlebens. Die gute Erreichbarkeit und die entspannte Atmosphäre sorgen dafür, dass sie sich schnell wohlfühlen und sich auf das konzentrieren können, worauf es ankommt: Training, Rennen und das Miteinander im Team. „Die Jugendherberge ist sehr nah an der Bahn-Station, das macht die Anreise sehr einfach und unkompliziert. Ich bin gerne hier und fühle mich wohl“, sagt eine von ihnen.
Große Ziele – und der Traum vom Profi






Am Ende geht es für das Vermarc Cycling Team natürlich auch um sportliche Ziele. „Ganz simpel: Rennen gewinnen“, lautet die Antwort auf die Frage nach der kommenden Saison. Doch dahinter steckt mehr als nur der Wunsch nach Erfolgen. Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, sich international zu messen und Schritt für Schritt den Weg in den Profisport vorzubereiten.
Oder, wie eine Fahrerin es beschreibt: Die Motivation kommt von ihrem „jüngeren ICH“, das ihr sagt „ich will Profi werden“. Ein Satz, der vielleicht am besten beschreibt, worum es in diesem Team wirklich geht – um Träume, die größer sind als Grenzen, und um den Mut, sie gemeinsam zu verfolgen.