Mitgliederversammlung des DJH Rheinland: Klassenfahrten wieder stärker in den Fokus rücken
Wie wichtig Klassenfahrten für Kinder und Jugendliche sind, stand im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des DJH-Landesverbandes Rheinland am 19. September 2026 in Düsseldorf. Präsident Ludwig B. Lühl (oben im Bild mit Dr. Jana Radant, Vizepräsidentin des DJH Hauptverbandes, und Oliver Mirring, Vorstandsvorsitzender des DJH-Landesverbandes Rheinland) warnte vor rückläufigen Buchungszahlen und appellierte an Politik, Schulträger und Gesellschaft, Klassenfahrten als wichtigen Bestandteil schulischer Bildung zu stärken.
Klassenfahrten gehören für viele Kinder und Jugendliche zu den Erlebnissen, an die sie sich noch Jahre später erinnern. Gemeinsam unterwegs sein, zum ersten Mal mehrere Tage ohne die Familie verbringen, neue Seiten an Mitschüler*innen entdecken – all das lässt sich im Klassenzimmer kaum nachbilden.
Doch genau diese Erfahrungen werden offenbar seltener. In seinem Geschäftsbericht bei der Mitgliederversammlung des DJH Rheinland machte Präsident Ludwig B. Lühl auf den Rückgang von Klassenfahrten aufmerksam.
Rückgänge vor allem bei Grundschulen und in der Sekundarstufe II
Während die Nachfrage aus der Sekundarstufe I vergleichsweise stabil geblieben ist, verzeichnen die Jugendherbergen im Rheinland vor allem bei Grundschulen und in der Sekundarstufe II Rückgänge.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Steigende organisatorische Anforderungen für Lehrkräfte spielen ebenso eine Rolle wie finanzielle Belastungen für Familien und gesellschaftliche Veränderungen, die Klassenfahrten zunehmend erschweren.
Dabei geht es um weit mehr als die Frage, wie viele Schulklassen in Jugendherbergen übernachten. Wenn gemeinsame Fahrten wegfallen, fehlen Kindern und Jugendlichen auch wichtige Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers.
„Klassenfahrten bieten die einmalige Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, Freundschaften zu begründen und den Zusammenhalt einer Klassengemeinschaft zu stärken“, betonte Ludwig B. Lühl vor den Delegierten.
Lernen, das nicht im Stundenplan steht
Auf Klassenfahrt passiert vieles ganz nebenbei. Kinder und Jugendliche müssen Absprachen treffen, Verantwortung übernehmen, Rücksicht nehmen und gemeinsam Lösungen finden.
Auch Lehrkräfte erleben ihre Schüler*innen in einem anderen Umfeld. Wer übernimmt Verantwortung? Wer unterstützt andere? Wer zeigt plötzlich Talente oder Stärken, die im Unterricht weniger sichtbar werden?
Gerade für neu zusammengesetzte Klassen können solche Erfahrungen wertvoll sein. Gemeinsame Herausforderungen, kleine Erfolgserlebnisse und viel Zeit miteinander helfen dabei, sich besser kennenzulernen und als Gruppe zusammenzuwachsen.
Mehr als ein paar Tage raus aus der Schule
Eine Klassenfahrt ist deshalb keine bloße Unterbrechung des Unterrichts. Sie schafft einen anderen Raum zum Lernen – ohne Noten und Stundenplan, dafür mit vielen Situationen, in denen soziale Kompetenzen gefragt sind.
Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme lassen sich nicht nur theoretisch vermitteln. Auf einer gemeinsamen Reise werden sie ganz praktisch erlebt.
Und manchmal sind es gerade die kleinen Momente, die bleiben: das gemeinsame Essen, Gespräche am Abend, eine Aufgabe, die erst im Team gelingt, oder die Erfahrung, sich zum ersten Mal mehrere Tage ohne die Eltern zurechtzufinden.
Klassenfahrten sollten für alle möglich sein
„Wenn Klassenfahrten dauerhaft zurückgehen, verlieren wir eine wichtige Grundlage pädagogischer Arbeit“, warnte Ludwig B. Lühl auf der Mitgliederversammlung.
Deshalb möchte der DJH-Landesverband Rheinland Klassenfahrten als festen Bestandteil schulischer Bildung stärken. Gleichzeitig sollte die Teilnahme nicht davon abhängen, welche finanziellen Möglichkeiten eine Familie hat.
Hier sind Politik, Schulträger und Gesellschaft gleichermaßen gefragt, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn wenn organisatorische Hürden steigen oder die Kosten für Familien zum Problem werden, gerät eine Erfahrung unter Druck, von der die ganze Klassengemeinschaft profitieren kann.
Jugendherbergen als Orte der Begegnung
Auch über Klassenfahrten hinaus ging es bei der Mitgliederversammlung um die Rolle der Jugendherbergen als Orte der Begegnung. Familien, Vereine, Jugendgruppen und Teilnehmende an Ferienfreizeiten kommen hier zusammen und verbringen Zeit miteinander.
Genau darin liegt seit Generationen eine besondere Stärke der Jugendherbergsidee: Menschen zusammenzubringen und Raum für gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Für Schulklassen bedeutet das vor allem eines: Zeit miteinander – außerhalb des gewohnten Alltags und mit vielen Gelegenheiten, sich selbst und andere neu kennenzulernen.
Zum Abschluss brachte Ludwig B. Lühl die Forderung der Mitgliederversammlung noch einmal auf den Punkt: „Wer starke Persönlichkeiten, gelebte Gemeinschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern will, darf Klassenfahrten nicht zurückfahren. Unsere Kinder brauchen diese Erfahrungen heute mehr denn je.“