Interview mit Oliver Mirring

Weltweit ist zu beobachten, dass Krisen und Verunsicherungen sich verstetigen. Sie haben zuletzt betont, wie wichtig ein stabiles Wertesystem gerade in solchen Zeiten ist. Wie haben die Jugendherbergen 2025 erlebt?

Oliver Mirring: Angesichts dieser Herausforderungen blicken wir auf ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr 2025 zurück. Das Vertrauen in die Qualität unserer Jugendherbergen ist groß, das belegen die konstant hohen und stabilen Ergebnisse: 933.382 Übernachtungen und 430.363 Gäste im Jahr 2025 sind ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können. Es basiert auf dem Vertrauen unserer 333.449 Mitglieder, die den DJH-Landesverband Rheinland als werteorientierten Anbieter von Bildung, Begegnung und gemeinschaftlichem Erleben schätzen. Besonders erfreulich ist, dass wieder mehr als ein Drittel aller Übernachtungen – nämlich 362.115 – auf den Besuch von Schüler*innen zurückzuführen sind. Darüber hinaus konnten wir mit 225.818 Übernachtungen über zwei Prozent Zuwächse bei Wander- und Freizeitgruppen verzeichnen. Hier treffen unsere naturbezogenen Freizeitangebote den Zeitgeist. Inflation, steigende Energiepreise und Sicherheitsaspekte stärken das Reisen im eigenen Land. Das Motto vieler Gäste lautet heute: Reisen ja – aber sicher, günstig und bewusst. Im Rheinland bieten 32 Jugendherbergen genau das: Naturerlebnis, Erholung, Bewegung und unbeschwerte Gemeinschaftserlebnisse gleich um die Ecke.

Im Jahr 2024 haben Sie weitreichende Transformationsprozesse für den DJH-Landesverband Rheinland angestoßen. In diesem Kontext sprechen Sie gerne von einem langen, kontinuierlichen Weg. Welche Maßnahmen wurden weitergeführt, welche neuen Impulse eingebracht?

Oliver Mirring: Der Weg, auf dem wir uns befinden, ist seit über 100 Jahren definiert: Gemeinschaft und Begegnung ermöglichen sowie Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen. Ein solcher Weg verläuft nicht immer geradlinig und führt zeitweise auch durch unebenes Gelände. Aber gerade dann ist es wichtig, etablierte Paradigmen und akzeptierte Routinen zu hinterfragen und nach neuen Antworten zu suchen. Im Jahr 2025 haben wir Mut bewiesen und eine zukunftsweisende Satzungsänderung mit hohem Nutzen für unsere Mitglieder, Mitarbeitende und die Kommunen auf den Weg gebracht.

Auf der Mitgliederversammlung im Oktober 2025 haben die Delegierten als unser demokratisch legitimiertes Gremium einstimmig für eine Satzungsänderung gestimmt, die uns eine schlankere und leistungsfähige Organisationsstruktur ermöglicht. Künftig wird ein hauptamtlicher Vorstand das operative Geschäft verantworten, während ein ehrenamtliches Präsidium die strategische Begleitung und Kontrolle übernimmt. Der Weg dorthin war transparent und demokratisch gestaltet: In mehreren Lesungen wurden die Satzungsänderungen zuvor mit den Organen des Verbandes intensiv beraten. Wir sind überzeugt, dass die Reform den Verband strukturell stärkt und seine Zukunftsfähigkeit weiter ausbaut. Dabei bleiben wir unserer historischen Verantwortung verpflichtet und verbinden notwendige Veränderungen mit den bewährten Grundsätzen, die den Verband seit jeher prägen.

Der Weg in die Zukunft ist immer auch mit der Verantwortung für Umwelt und Ressourcen verbunden. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Verband?

Oliver Mirring: Nachhaltigkeit ist für uns eine Art Kompass, der unsere Richtung bestimmt. Ziel bleibt es, unseren CO₂-Fußabdruck Schritt für Schritt zu verringern und damit unserem Satzungsauftrag zum Natur- und Umweltschutz gerecht zu werden. Mit der Vorlage eines ersten Nachhaltigkeitsberichts nach den Standards des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) hat der DJH-Landesverband Rheinland diesen Anspruch als erster DJH-Landesverband in Deutschland für alle Interessierten sichtbar gemacht. Der Bericht dokumentierte, wo wir stehen und markierte die nächsten Etappen: bei baulichen Maßnahmen, im täglichen Betrieb unserer Häuser und in administrativen Prozessen. Für den zweiten, in 2025, publizierten Nachhaltigkeitsbericht 2024 haben wir die Wirkungen dieser Schritte überprüft, Kennzahlen definiert und davon ausgehend weitere Etappenziele gesteckt. Die Berichterstattung nach den Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex ist damit unser Wegweiser für alle weiteren Entscheidungen. 2025 sind wir wesentliche Schritte vorangekommen: Zehn Jugendherbergen sind mittlerweile mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, weitere sind geplant. Unser erstes Firmen-E-Auto ist bestellt, und in den Jugendherbergen Köln-Deutz und Düsseldorf nehmen bald die ersten Ladestationen für E-Autos ihren Betrieb auf. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in energieeffiziente Gebäude oder den Ressourcenschutz – Abfallvermeidung und vegetarische Menüoptionen sind in unseren Jugendherbergen zum Beispiel längst selbstverständlich. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, Zukunftsräume zu schaffen. In Nideggen konnten wir 2025 neben der Jugendherberge ein angrenzendes Gebäude erwerben. Dort entstehen neben zusätzlichen Veranstaltungsräume auch 8 moderne Ferienwohnungen, eine davon wird barrierefrei ausgestaltet sein. Auch die Sonderbudgets aus der Nach-Corona-Zeit sind inzwischen vollständig eingesetzt – sie verbessern den Gästekomfort und stärken das individuelle Profil unserer Häuser.

Teilhabe und Gemeinwohl gehören zum Satzungsauftrag des DJH-Landesverbandes Rheinland. Wie setzen Sie diese Aspekte um?

Oliver Mirring: Im DJH-Landesverband Rheinland können wir uns auf ein inklusives Wertesystem stützen, das Teilhabe für alle ermöglicht. Um hier voranzukommen, muss man Brücken bauen. Seit vielen Jahren arbeitet der DJH-Landesverband Rheinland deshalb mit Inklusionsdienstleistern zusammen, um Menschen mit Handicap berufliche Perspektiven zu eröffnen. Die Jugendherberge Köln-Riehl ist hier seit Jahren Vorreiter und wurde dafür 2025 mit dem Förderpreis „Inklusion“ der Stiftung Deutsches Jugendherbergswerk ausgezeichnet. Das Deutsche Jugendherbergswerk setzt sich seit seiner Gründung für Chancengleichheit ein und verfolgt konsequent das Ziel einer inklusiven Gesellschaft. Mit dem Förderpreis „Inklusion“ macht die Stiftung Projekte sichtbar, die Inklusion im Alltag vorbildlich umsetzen. Über diese Anerkennung freuen wir uns gemeinsam mit dem Team der Jugendherberge vor Ort sehr.

Selbstverständlich gehören auch inklusive Klassenfahrten und Aktivreisen für Menschen mit Behinderung zu unserem Reiseangebot, denn viele Jugendherbergen sind bestens auf Menschen mit Handicap eingerichtet. Darüber hinaus haben wir 2025 damit begonnen, unsere digitale Kommunikation weitergehend barrierefrei zu gestalten. Von der Website über die Broschüre bis zur Buchungsanfrage passen wir unsere digitalen Angebote an die hohen Qualitätsstandards des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) an. Das neue Bundesgesetz regelt die Barrierefreiheit von digitalen Dienstleistungen und stärkt für Menschen mit Behinderung ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Im DJH-Landesverband Rheinland können wir uns auf ein inklusives Wertesystem stützen, das Teilhabe für alle ermöglicht. Um hier voranzukommen, muss man Brücken bauen. Seit vielen Jahren arbeitet der DJH-Landesverband Rheinland deshalb mit Inklusionsdienstleistern zusammen, um Menschen mit Handicap berufliche Perspektiven zu eröffnen. Die Jugendherberge Köln-Riehl ist hier seit Jahren Vorreiter und wurde dafür 2025 mit dem Förderpreis „Inklusion“ der Stiftung Deutsches Jugendherbergswerk ausgezeichnet. Das Deutsche Jugendherbergswerk setzt sich seit seiner Gründung für Chancengleichheit ein und verfolgt konsequent das Ziel einer inklusiven Gesellschaft. Mit dem Förderpreis „Inklusion“ macht die Stiftung Projekte sichtbar, die Inklusion im Alltag vorbildlich umsetzen. Über diese Anerkennung freuen wir uns gemeinsam mit dem Team der Jugendherberge vor Ort sehr.

Zum Abschluss: Wohin führt der eingeschlagene Weg den DJH-Landesverband Rheinland?

Oliver Mirring: Die Transformation unserer Jugendherbergen schreitet spürbar voran, angetrieben von vielen klugen Köpfen. Ich freue mich darauf, die Ziele und Ideen, mit denen wir einmal gestartet sind, in den kommenden Jahren weiter umzusetzen.
Wir werden weiter in die Renovierung und Modernisierung von Häusern investieren, mit denen wir stetig den Gästekomfort und unsere Services verbessern. Für einige Standorte ist es unser Ziel innovative Neukonzeptionen zu entwickeln, wie beispielsweise für den Standort Kevelaer. Unsere Aufgabe ist es, den traditionellen Kern der Jugendherbergsidee zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Uns ist bewusst, dass Transformation kein Sprint ist, bei dem man die Ziellinie vor Augen hat. Es handelt sich vielmehr um einen langfristigen Prozess.

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